Samstag, 18. April 2020

Aufstrich aus Knoblauchsrauke und getrockneten Tomaten

Knoblauchsrauke hat gerade Hochsaison. Mein Knoblauchrauken-Pesto und auch die Heferose mit Knoblauchsaukenpesto ist ja schon etwas älter, daher wollte ich Euch heute eine Variante mit getrockneter Tomate vorstellen. Mit etwas mehr Öl wird daraus ein Pesto, das sich gut 6 Monate hält.
Wem Knoblauchsrauke zu herb ist, der findet unten einige Variationsmöglichkeiten, mit dem man die Herbe etwas abmildern kann.


Zutaten für den Knoblauchsraukenaufstrich

  • 100 g Knoblauchsrauke
  • 60 g Parmesan
  • 60 ml Oliven- oder Sonnenblumenöl
  • 80 g getrocknete Tomaten
  • 1/2 TL Salz
  • optional: 1 TL Essig oder Zitronensaft


Knoblauchsrauke im Bestand. Immer aus der Mitte ernten und maximal
1/3 der Pflanzen, damit diese sich wieder regenerieren können.

Zubereitung des Aufstrichs

Sehr simpel: Alle Zutaten in den Mixer und stückig mixen. Wer keinen Mixer hat, kann das auch mit dem Stabmixer oder im Mörser erledigen. In saubere Gläser füllen und für die längere Lagerung mit so viel Öl übergießen, bis alles bedeckt ist.

Kleine Häppchen mit  Knoblauchsrauke. Natürlich lassen sich Cocktailtomaten auch direkt damit füllen.

Variationen und Nutzen

Hier könnt Ihr nach Gusto experimentieren. Der herbe Geschmack ist übrigens kaum wegzukommen. Wem das zu viel Herbe ist, der kann die Knoblauchsraukenmasse auch Löffelweise unter andere grüne Pestos mischen. Warum sollte man sich das antun? Knoblauchsrauke hat super blutreinigende Eingenschaften, wirkt antibakteriell und harntreibend. Sie gehört also zu den klassischen Frühlingskräutern die durchaus ihre Berechtigung in unserem Speiseplan haben und uns von dem ganzen winterlich angehäuften Ernährungs-Ballast befreien können. Daher darf das Basilikum-Pesto gern die Tage mit Knoblauchsrauke etwas gestreckt werden :). Wer nicht mischen möchte, der kann folgende Variationen als Anregung für eigenen Mischungen verwenden:
  • Die Hälfte der Knoblauchsrauke ersetzten mit Giersch oder Bärlauch
  • Eine halbe Zwiebel mit hineinmixen!
  • Mehr Öl verwenden für ein Pesto dann dürfen auch gern noch 100g gehackte Mandeln ins Rezept wandern.
  • Füge 100 g gewürfelten  Speck  hinzu
  • Mit 1 EL Tomatenmark wird der recht herbe Aufstrich etwas fruchtiger.
Mit Öl übergossen ist der Aufstrich  mehrerer Wochen bis Monate im Kühlschrank lagerfähig.
Eignet sich auch als Pesto für Nudeln oder zum Füllen von herzhaftem Gebäck.

Viel Spaß beim Sammeln und zubereiten!

Du findest den Blog super? Hast Spaß an den Rezepten? Stöberst gern hier?  Vermisst noch nicht Mal Werbung? Prima. Das freut mich und Werbung mag ich auch nicht.  Aber es würde mir helfen, wenn Du mir im Gegenzug für die Inspirationen die du hier findest, helfen würdest, ein Herzensprojekt auf die Beine zu stellen:  Unterstütze bis zum 30. Mai  die "Streuobstwerkstatt" auf StartNext, für Kinder, Natur und unsere Heimat: https://www.startnext.com/streuobstwerkstatt

Montag, 30. März 2020

Unkrautgourmet sucht Unterstützer für Mehrwert

Die Streuobstwerkstatt - ein Crowdfundingprojekt vom Unkrautgourmet

"Wir haben Kirschen gelocht" - das war die Antwort von Julia (7 Jahre) aus der 2. Klassen, auf die Frage, was man denn in einer Streuobstwerkstatt macht.
Aktuell möchte ich eine solche Streuobstwerkstatt fest etablieren und natürlich gibt es hier auch jede Menge Unkraut :D.
Ich weiß, ganz viele Menschen lesen meinen Blog und freuen sich über die Rezepte hier. Vielleicht ist es auch schon aufgefallen, ich habe die letzte Zeit Werbung auf ein Minimum reduziert. Viel lieber sind mir authentische Inhalte und weniger Konsum. Doch ohne Geld geht es nicht. Daher die Bitte an Euch: schaut Euch das Projekt auf StartNext an und wenn Ihr hier gerne in den Rezepten stöbert, dann helft mir mit einem Beitrag Eurer Wahl, die Streuobstwerkstatt auf die Beine zu stellen. Oder leitet den Link weiter an Menschen, die solche Projekte gerne unterstützten. Das wäre so hilfreich.




Worum geht es in der Streuobstwerkstatt?


Es soll ein Lernort geschaffen werden für Jung und Alt, in dem man Streuobstwiesen erleben kann. Außerdem sollen 30 (!) alte, große Obstbäume fachgerecht geschnitten werden, damit diese möglichst lange erhalten bleiben.
Wenn die Finanzierungsphase auch das 2. Zeil erreicht, soll hier ein Ort geschaffen werden, an dem auch die Kinder aus der Lerntherapie einen Ort haben, an den sie gerne kommen und lernen wieder gerne zu lernen - denn draußen sind sie alle gerne.
Papier nutzen wir auch in der Streuobstwerkstatt. Wir lernen ja auch "richtig" ;-)

Was passiert mit Eurem Geld?

Das wird für viele gute Dinge eingesetzte: Baumpflege, Gartenequipment für Kinder, eine neue Gartenhütte, ein Regendach, eine kleine Kelter, endlich ein paar Tische und Bänke, ein behindertenfreundlicher Weg, Schüsseln, Messer, Löffeln. Teller, Schneidbrettchen, Flaschen, Becherlupen, und vielleicht ist dank Eurer Hilfe  ist sogar ein Feldmikroskop drin. Ich fahre davon also nicht in den Urlaub.

"Kirschen lochen für Beginner":Was gäbe ich nun für einen Tisch und eine Bank und noch 2 Schüsseln mehr... 

 Warum solltest Du das Projekt unterstützen?


  • Du hilfst mit, die kulturelle Biodiversität zu erhalten, da hier einige alte Sorten wachsen, etwa eine große Grüne Renecloude, eine unbekannte Mostbirne und eine Kirschsorte, die bislang noch nicht bestimmt werden konnte
  • Du hilfst mit Lebensraum zu bewahren, denn in den Alten Obstbäumen wohnen Fledermäuse, Grünspecht und Co.
  • Du hilfst mit, einen Ort zu erschaffen, der sicher ist und an dem Kinder hoffentlich  gerne Lernen  werden - draußen im Freien und nicht schon wieder "eingesperrt" in einem Gebäude.
  • Du bekommst ein Dankeschön :).
  • Du bekommst alle Inhalte, hier auf dieser Webseite, seid jeher kostenlos. Lass das für mich nicht umsonst sein.
  • Du hilfts mit, einen der artenreichsten und immer bedrohteren Lebensräume in Mitteleuropa zu schützen: die Streuobstwiesen!
Winterprinz, Alkmene und Kalbfleischapfel - Bäumchen schüttel Dich, denn die Äpfel sind schon alle reif.


Du brauchts Motivation mitzumachen?




  • Postkarten oder Kalender sind ein schönes Geschenk für Naturfreunde - mit Mehrwert, denn dafür unterstützt Du ja auch ein schönes Projekt, hilfst der Natur und freust Dich lange Zeit daran.
  • Vielleicht ist auch ein anderes Dankeschön ein schönes Ostergeschenk mit Mehrwert?
  • Du wohnst in der Nähe und willst einen schonen Vormittag oder Nachmittag erleben in der Natur? Auch da ist sicher eines der Dankeschöns etwas für Dich.
  • Du wolltest schon immer Drohnenfotos? Auch hier haben wir ein Dankeschön, das allerdings räumlich auch auf den Rhein-Neckar-Kreis und den Odenwald begrenzt ist, da wir wegen Umweltschutzgründen nicht weit fahren wollen.
  • Du sitzt aktuell auch nur zu Hause und fühlst Dich ohnmächtig in Anbetracht der Situation? Hier kannst Du konkret was tun. Ich denke schon über die Krise hinaus und weiß, das es viele Kinder geben wird, die in den Ferien einiges in der Schule nachzuholen haben werden. Wäre es dann nicht schön, wenn die Kinder draußen im Freien all das nachholen könnten, statt schon wieder in der Stube hocken zu müssen. Gebt den Kindern ihr Lächeln zurück und hilf mir diesen Ort zu schaffen.
Schaut rein! 
Helft mit und unterstützt das Projekt! 
Und leitet den Link weiter! 

Die Kampagne läuft bis zum 30.Mai 2020. 

Vielen lieben Dank!

Ohne Regenunterstand können wir nicht mehr tun, als die Sachen einfach in den Regen zu hängen.


Mittwoch, 25. März 2020

Kräutersuppe anno 1862 - besser als jede Tütensuppe aus dem Vorrat

Danke an Euch alle! Immer wieder bekomme ich Post von Euch, in der Ihr mir schreibt, das Ihr meinen Blog noch lest, Euch daran erfreut und ich doch weiter bloggen soll.  Das ehrt mich. Da aktuell alle meine Schulprojekte und Besuchergruppen aufgrund der Corona-Vorsichtsmaßnahmen weggebrochen sind, bleibt wieder etwas Zeit zu bloggen und kochtechnisch schwelge ich gerade in Nostalgiefieber und Frühlingskräuterfreuden :D. Und mal ehrlich:  Kochen aus dem Vorrat? Aus Konservendosen? Das ist ja gruselig. Wer soll denn da gesund bleiben? Nichts pusht die Immunabwehr so hoch, wie eine anständige Suppe aus frischen Frühlingskräutern, voller Vitamine, Mineralstoffen und Geschmack :). Folgt mir auf eine Zeitreise, fast 160 Jahre zurück...


Slow food - oder wie Urgroßeltern standardmäßig kochten

Eine Wildkräutersuppe aus dem Jahr 1862 - schmeckt auch heute noch.


So und schlage ich sprich- und wortwörtlich eine neue Seite in einem uralten Buch auf.  Ich möchte Euch mitnehmen auf eine Reise in die Vergangenheit, als kochen Standardmäßig noch "slow food" war. Im Internet tut fast jeder so, als hätte er das Rad neu erfunden, aber das stimmt meist nicht. Gerade Kochrezepte existieren schon seid anno dazumal. Meist wurde das Rad nur ein wenig aufpoliert. Genau das möchte ich Euch heute zeigen. Und so widme ich diese Kapitel meiner verstorbenen Schwiegermutter, die mir vor bald 20 Jahren eines der Geschenke machte, die ich gar nicht hoch genug schätzen kann: ein Kochbuch aus dem Jahr 1862. Ich saß lange fasziniert davor und bin auch heute noch jedes Mal ein wenig aufgeregt, wenn ich vorsichtig durch die vergilbten, verfetteten und zum Teil eingerissenen Seite blättere, die seid 4 Generationen im Gebrauch der Familie meines Mannes waren. Es soll Euch dazu motivieren NICHTs zu kaufen. Es soll Euch dazu motivieren das alte Wissen NICHT zu vergessen. Es soll Euch motivieren euch an das Zu erinnern was wir bereits haben, in Kontakt zu treten mit den alten Werten, der alten Tradition und den alten Menschen. Ja, Letzteres  ist gerade nicht leicht ist, aber vielleicht bittet Ihr Eure Großeltern einfach einen Brief zu schreiben mit einem Rezept ihres Lieblingsessens aus  ihrer Jugend? Da fühlt sich jeder nützlich, gewollte und nicht vergessen. Unsere Großeltern bergen wahre Wissensschätze, gerade heute in so seltsamen Zeiten! Und vielleicht schaut Ihr nach dem Lesen dieses Artikels einfach mal wieder in eines der Kochbücher, die verstaubt im Schrank stehen. Es ist doch alles da. Wir brauchen NICHTs.

"Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feine Küche" von Henriette Davidis aus dem Jahr 1862 -
mein ganz privater Küchenschatz.


Zutaten für die Kräutersuppe aus Bärenklau, Taubnesseln und Co.


Originalrezept der Wildkräutersuppe von 1862

Man nehme von Sauerampfer, Portulak, Basilikum, Kopfsalat, Spinat, Dragon, Pimpernell, Schnittlauch und überhaupt was man von passenden Käutern hat, doch von den stärkeren weniger, zusammen eine handvoll, wasche und schneide sie fein. Hat man ein gutes Stück Butter mit so viel Mehl, als zur Suppe nötig ist, geschwitzt, gebe man die Kräuter dazu, welche man mit Bouillon oder Wasser fein rührt und nachfüllt, und mit Slaz, Kerbel und Petersilie , beides fein gehackt, durchkocht. Kartoffeln- oder Eiklöße werden hineingegeben und die Suppe mit Eidotter abgerührt. Zet des Kochen 3/4 Stunde.

Vorbemerkungen zum Rezept

Und nun Freestyle. Solche Rezepte sind natürlich hochgradig zum Experimentieren geeignet, denn die Mengenangabe beschränkt sich auf insgesamt "eine handvoll". Das Rezept lässt also Spielraum für eine Fülle von geschmacklichen Variationsmöglichkeiten und deswegen liebe ich dieses Kochbuch so.  Letztendlich ist es also eine Suppe auf Mehlschwitz-Basis, abgebunden mit Ei. Simpel. Da Salz und Pfeffer damals kostbar waren, kommt die Suppe ohne aus. Man darf sich den Luxus aber durchaus heute gestatten. Wer jedoch viele Brennnesseln im Rezept verwendet, kann tatsächlich aufs Salzen verzichten.
Dragon ist der alte Namen  für Estragon.
Man sieht also, dass man im Prinzip so ziemlich jedes essbare Pflänzlein im Rezept verwenden kann. Schöne Variationen ergeben sich mit Frühlingszwiebeln und dem derzeit überall sprießenden Bärlauch und der jetzt allgegenwärtigen Knoblauchsrauke.  Man brauch also keine 200 Packungen Tütensuppe im Vorrat zu haben, sondern sollte sich ein Huhn kaufen, damit man frische Eier hat. Butter und Mehl, sind dann die einzigen Zutaten, die man wirklich einkaufen muss - zumindest was das Thema Suppen und Vorratshaltung betrifft.

Für die, die exakte Mengen brauchen würde das Rezept in die moderne Gesellschaft übertragen heißen:

Zutaten für die Kräutersuppe anno 1862:


  • ein Sträußchen Wild- und Küchenkräuter (aktuell möglich: Bärlauch, Wiesenbärenklau, Taubnesseln, Brennnesseln, Pimpernelle, Sauerampfer, Basilikum, Petersilie, Schnittlauch, Giersch, Kerbel, Estragon, Knoblauchsrauke,...)
  • 1/2 Liter Wasser oder Gemüsebrühe
  • 1-2 EL Mehl
  • 2 EL Butter
  • 1 Eigelb
  • Salz und Pfeffer
Taubnesseln, Bärenklau, Brennnesseln, Gundermann - das Grünzeug war in 2 Min gesammelt.

Zubereitung der Kräutersuppe anno 1862:

Die Kräuter waschen, auslesen, fein schneiden. In einen Topf die Butter zerlassen. Wer möchte, schwitzt auch fein geschnittene Zwiebeln an, vom Herd nehmen und das Mehl einrühren (je mehr Mehl, desto dicker wird die Suppe anschließend).  Dann das Wasser unterrühren und die Kräuter zugeben. Alles wieder auf den Herd stellen und kochen lassen. Ist die Suppe zu dünnflüssig geworden, einfach etwas Mehl mit Wasser anrühren und Esslöffelweise zugeben und erneut aufkochen. Abschließend die Suppe vom Herd ziehen und das Eigelb zügig einrühren.
Wer keine stückigen Kräuter mag, kann die Suppe auch vor dem Servieren noch einmal mit dem Pürierstab fein pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. 
Dazu passen gekochte Kartoffeln oder Eierklößen als Einlage.

Grüner Mix aus geschnittenen Wiesenkräutern. Natürlich lässt sich die Suppe anschließen pürieren.


Fazit: Kochen in Krisenzeiten fast ohne Vorrat

Kochen mit Wildkräutern ist kinderleicht und auch in Krisenzeiten fast ohne Vorrat möglich, vor allem jetzt im Frühling. Das haben unsere Großeltern alle noch gewusst, denn nach dem Krieg war auch die Lebensmittelversorgung knapp und sie mussten findig sein, um nicht zu verhungern. Das Problem haben wir heute ja gar nicht. Wer sich ein wenig mit dem Thema Wildnisküche auseinandersetzt, der muss sich auch um Lebensmittelengpässen nicht fürchten. Und Angst macht letztendlich eben auch krank - genau wie zu viel Konservenessen. Natürlich  ist ein Päckchen Nudeln mehr im Haus nicht verkehrt, aber notwendig sind die auch nicht, weil man sich Nudeln auch sehr einfach selber machen kann. Das Knoblauchsraukepesto wächst mit 80% seiner Zutaten eben auch gerade auf den Lichtungen. Statt Pinienkerne einfach ein paar einheimische Walnüsse vom Herbst verwenden und Parmesan hält sich ebenso ewig, etwas Öl und fertig. Schon 2 Tage überlebt  mit Mehl, Ei, Öl, Parmesan und Nüssen ;-).

Bleibt gesund und munter.
Eure Sindy

Kräutersuppe anno 1862 - schmeckte damals wie heute ausgezeichnet.



Mittwoch, 8. August 2018

Holunderbeerpudding im Birnenkleid & Holunderbeerlimonade

Birnen gefüllt mit Holunderbeerenfruchtmasse

Tolle Kombination: Birnen, Holunderbeeren und Nelkenwurz.
Holunderbeerenzeit. Es ist Hochsommer und alles ist verdorrt. Auch mein Unkraut leidet. So wollte ich eigentlich diese Holunderbeeren-Süßspeise mit Nelkenwurz zubereiten, aber als ich die erste Pflanze aus dem harten, steinigen Boden befreit hatte, habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen doch auf gängige Küchengewürze zurückzugreifen. Wenn das Wetter also wieder etwas mehr Regen bietet, die Nelkenwurz sich erholt hat und immer noch Holunderbeeren nicht vollständig vertrocknet an den Büschen hängen, dann versucht dieses Rezept einfach mit den Wurzeln von 5 Nelkenwurz-Pflanzen, die ihr säubert, kleinschneidet und mitkocht.
Überschaubare Zutaten, der Honig vom regionalen Imker, der Ingwer aus meinen Blumentopf, Nelkenwurz,
Birnen und Holunder aus dem Garten. Lediglich die Stärke und den Honig habe ich dazugekauft.

Zutaten für Holunderbeerpudding

  • 2 Birnen (z.B. Williams Christ, die werden gerade bei uns reif)
  • 2 Nelken
  • 150 g Holunderbeeren, vorbereitet gewogen
  • 1 halbe Fingerkuppe geriebender, frischer Ingwer
  • 1-2 EL Honig
  • etwas Zitronenschalenabrieb oder einen Spritzer Zitronensaft
  • 1-2 EL Speisestärke
  • 500 ml Wasser

Zubereitung des Holunderbeerpuddings:

Beim Aushöhlen der Birnen daran denken, das man vom
"Boden" noch ein Stück abschneiden muss....
...nur ein kleines Stück, aber das erhöht die Standfestigkeit
enorm.
Eine Birne kleinschneiden, andere Birne halbieren und mit einem Eisportionierer oder Löffel aushöhlen. Am Boden der Birne eine gerade Fläche abschneiden, so dass die Birnen nachher nicht umkippt, wenn sie befüllt wird. Die Holunderbeeren von den Dolden abrebeln und mit Nelken(-wurz), geriebenem Ingwer und Birnenwürfeln in der Hälfte des Wassers 15 min kochen. Den Saft durch ein Sieb abgießen und zurück in den Topf geben (die Fruchtmassen kann man weiterverwenden, siehe unten), Honig zufügen und verrühren. Die andere Hälfte des Wassers mit der Speisestärke verrühren, zum Holunder-Birnensaft geben und noch einmal aufkochen lassen. Wer statt Holunderbeerensuppe
wirklich einen Pudding bevorzugt, fügt noch etwas Stärke hinzu (vorher in wenig Wasser angerührt), wer es süßer mag, darf auch noch etwas Honig mehr zugeben.
Die Masse vorsichtig in Birnenhälften füllen und nach belieben dekorieren.

Natürlich kann man die Birnenhälften vorher auch weich kochen. Ich bevorzuge aber möglichst viel frisches Obst, und habe daher die Birne ungekocht verwendet. Holunderbeeren lassen sich nicht roh essen, sie müssen gekocht werden, um die Giftstoffe zu zerstören.

Die Holunderbeeren vorbereitet wiegen.


Holunderbeerlimonade

Den Holunderbeeren"trester" habe ich ein zweites Mal aufgekocht, abgeseiht, abkühlen lassen und mit 1/3 der Menge mit Mineralwasser aufgefüllt und wollte da mit Eiswürfeln serviert ebenfalls fotografieren, aber das haben meine Jungs so schnell getrunken, so schnell war der Fotoapparat nicht griffbereit :/.


Die Schneidgiraffe mit Fangkorb bewährt sich nicht nur bei
Äpfen und Birnen, sondern fängt zuverlässig auch Holunderdolden.


Ein Trauerspiel: Die Dürre setzt meiner Wiese extrem zu. Nur der Nelkenwurz bleibt trotzig grün.
Da der Boden aber so extrem hart ist, habe ich nur eine Pflanze ausgegraben und habe dann auf
 Gewürznelken zurückgegriffen. Im Rezept kann man mischen oder man verwendet
statt 2 Gewürznelken die Wurzeln von 4-5 Nelkenwurz-Pflanzen. Diese waschen, kleinschneiden und
einfach mitkochen.
So würde ich das essen: ohne viel "Schisslamang".
Was ein wenig Puderzucker als Deko ausmacht...aber die Sauerrei will ja hinterher auch vom Tisch
gewischt werden oder...
...dient den Wespen als Futter....so man den Wespen auch ein wenig Nachtisch gönnt. Mich stören
sie nicht, fressen sie doch auch Raupen von den Saltpflanzen oder die lästigen Fliegen.
Lecker: Holunderbeerpudding in einer Birnenschale serviert. Wo gibt es denn so was?
Viel Spaß beim Sammeln, Nachkochen und guten Appetit!

Dienstag, 10. April 2018

Löwenzahnsalat mit gebratenen Äpfeln und eine Buchempfehlung mit Kaufhemmung



Das war ´s. Meine letzten Äpfel gehen zur Neige. Äpfel als Saisonobst kommen erst wieder mit dem Klarapfel im Juli auf den Tisch. Aber aktuell sitzte ich noch vor den Schrumpeldinger und mag auch den 15 Apfelkuchen nicht mehr essen. Was tun?  Schrumplige Äpfel und sprießendes Unkraut?  Da fiel mir ein Rezept aus einem Kochbuch ein, das ich geschenkt bekommen habe. Heute der ultimative Vergleich zwischen foodstylisch aufgepepptem Rezept in einem Buch und kochen wie "bei Unkrautmuttern". Zu finden ist das Rezept im Buch "Wildes Grün - Verführerische Wildpflanzenrezepte durch das ganze Jahr" von Diane Dittmer, Anke Schütz und Krisztina Zombori im AT Verlag. Rund 7 Euro kostet das, aber meine Überlegungen zum Thema Buchkauf lest ihr weiter unten. Vom Buch her eine klare Empfehlung. Aber erst mal Unkraut vernichten.

Zutaten für den Löwenzahnsalat mit gebratenen Äpfeln

Fehlen noch Speck und Zwiebel und die Zutaten
fürs Dressing, aber ansonsten ist das eine
wirklich bunte Mischung.
  • eine Handvoll Löwenzahnblätter
  • eine Handvoll junger Gierschblätter
  • 1 Zwiebel
  • 4 EL Rapsöl
  • 1 EL Honig 
  • 1 TL Senf
  • 2-3 EL Apfelessig
  • Salz und Pfeffer
  • ca. 70 g Schinken
  • 2 Eier 
  • Butter
  • Blüten zum Dekorieren (aktuelle gehen Gundermann und Gänseblümchen. Der Löwenzahn blüht bei uns wohl in 1-2 Tagen.)

Zubereitung

Die Eier wachsweich kochen. Derweil den Giersch und den Löwenzahn waschen, gut abtropfen lassen, die Stiele entfernen und grob kleinschneiden. Die Zwiebeln in Ringe und den Schinken in feine Würfel schneiden.

Den Schinken in einer beschichteten Pfanne anbraten und die Zwiebeln zufügen. Wenn die Zwiebeln weich gedünstet sind, beides aus der Pfanne nehmen. Nun die Äpfel entkernen und in Ringe schneiden. In der Pfanne wenn nötig etwas Butter schmelzen und die Äpfel kurz weich braten.

Aus  Öl, Honig, Senf und Essig eine Salatsoße mischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. (Da meinen Apfelessig dieses Jahr sehr stark ausgefallen ist, kann es sein, dass ihr noch mal einen 1 EL Apfelessig braucht.) Alles in ein Schüssel geben und mit der Soße vermengen. Zum Schluss die Eier in Scheiben zufügen und mit Blüten dekorieren. Guten Appetit.

Sieht doch fast aus wie im Buch. Löwenzahn-Giersch und Äpfel als Salat.

 

Nachhaltige Rezeptvariationen

Zwiebeln. Frühlingszwiebeln, Gemüsezwiebeln oder Lauch - nehmt was im Kühlschrank oder im Keller liegt, das passt alles dazu.

Essig. Zugegeben, Essig schmeckt immer anderes, aber das macht es auch so spannend: Im Rezept war Himbeeressig angegeben, aber was soll ich mir den nun kaufen, wenn ich 10 Liter selbst gemachten Apfelessig zu Hause habe?

Öl. Den wohl größten Unterschied macht es, Olivenöl (im Originalrezept verwendet) auszutauschen. Das hat einfach einen ganz speziellen Geschmack.  Dennoch versuche ich so wenig Olivenöl zu verwenden, einfach weil es nicht regional verfügbar ist und importiert werden muss. Nachhaltigkeit. Wäre ich Grieche, ich würde nur Olivenöl nutzten, wenn ich in Griechenland leben würde. Aber hier bei uns ist die Ölauswahl auch nicht ohne: Von Raps- über Sonnenblumen- bis Nussöle, von Traubenkernöl bis zu Leinöl... Ich bin nachhaltiger Umweltschutzpragmatiker in der Küche, erst in zweiter Linie Gourmet: Daher nutze ich lieber regionale Rapsöl, statt importiertes Olivenöl.

Schinken oder Speck. Der ist austauschbar. Wer es fleischlos mag, kann das Rezept einfach mit geräuchertem Tofu probieren. Sicher auch eine gute Kombination: Walnüsse oder gerüstete Haselnüsse.  Fleisch und Klimaschutz sind heikel und gehen irgendwie nicht zusammen. Das ist mir durchaus bewusst. Daher reduziere ich die Schinkenmenge im Rezept um 1/3 und investiere in Bio-Fleisch. Insgesamt ist der Geschmack besser und das Gefühl beim Essen auch. So ganz kann und will ich nicht vegan leben.

Blüten. Die sind optional. Das Auge isst mit und den Salat mit 3 Blüten zu dekorieren dauert keine 2 Sekunden. Essbar sollten sie sein und am besten vor der Haustür wachsen. Gänseblümchen sind immer gut, sofern keine Allergie auf Korbblütler besteht, aber dann ist Löwenzahn ohnehin tabu.

Eier. Man achte auf glückliche Hühner und glückliche Eier aus räumlicher Nähe. So wurden bei mir aus 4 Eiern nur 2. Die anderen beiden gibt es Morgen. Der Rezept hat es nicht gemerkt.

Honig. Es gibt konventionelle Imker,  Bio-Imker und Demeter-Imker, so wie es Kuckucksbienen, Honigbienen und Wildbienen gibt. Der Imker und die Bienen....das sagt sich so leicht.

Eine Buchempfehlung mit nachhaltigen Hindernissen

Sieht mein Salat nun so aus wie der Salat im Buch? Das Grünzeug hab ich kleiner geschnippet.
Mit einen ganzen Löwenzahnblatt im Mund, fühle ich mich sonst wie eine Kuh.
Ich ertappe mich dabei, wie ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich einen Amazon-Link hier angebe für ein Buch, das dann gekauft wird über einen invasiven Giganten, der die kleinen, lokalen Buchhändler kaputt machen, nur weil ich mit dem Link 20 Cent verdienen kann. 20 Cent, die ich sonst nicht hätte, wenn ihr zum örtlichen Buchhändler geht und das Buch dort kauft. Eigentlich war das auch der Grund, warum ich mir sagte, ich veröffentliche meine Rezepte, denn nur ein nicht gekauftes Buch, ist wirklich nachhaltig. Das Internet ist die größte gratis Sharing-Community der Welt.  Irgendwie schön. Man könnte mit dem Internet viel unnötigen Konsum reduzieren, sicher wäre das nachhaltiger, als mit dem Internet den Umsatz anzukurbeln und dafür zu sorgen, das die Leute Unsinn kaufen, den sie eigentlich nicht bräuchten.

Aber genau das ist das Dilemma der Gesellschaft von heute. Jeder möchte und muss ein wenig Geld verdienen, weil wir in einer geldorientierten Gesellschaft leben. Ein wenig verdienen muss ich auch.

Mit diesem Blog habe ich übrigens schon ganz 12,98 Euro verdient - in 3 Jahren! Das sind 1 1/3 Gläser  Bioland-Honig. Hurra - in der Theorie. Praktisch frisst die Stromrechung fürs Bloggen das Geld und die Reparatur des mittlerweile 10 Jahre alten Laptops. Ich zahle drauf. Also doch 20 Cent für ein Buch über Amazon? Zu welchem Preis für den regionalen Einzelhandel und die Umwelt?

Nachhaltiges nicht-konsumieren und die Kinder der 7.Generation bewahren

So ist das, wenn man nachhaltig und still seinem täglichen Streben nach einer besseren Welt nach geht. Man beginnt zu zweifeln und ein wenig zu verzweifeln. Aber vielleicht sammelt ihr nachher Löwenzahn und freut euch an den Bienen. Mehr braucht es doch eigentlich nicht. Eben darum geht es doch bei Nachhaltigkeit, oder? Den Kinder der 7. Generation noch das Leben von heute zu ermöglichen? Nein, das ist falsch. Das Leben von heute können wir ihnen nicht ermöglichen, weil wir jetzt schon deutlich über die Stränge schlagen, aber vielleicht schaffen wir es, in deutlich weniger als 7 Generationen so weit runter zu drosseln, dass es für weitere 7 Generationen keine Einschnitte mehr Bedarf. Das wäre fantastisch.  Dafür müssen wir nur eines tun: Weniger...Konsum.

Alles da - so einfach

Weniger. Einfach einen Schritt zurück machen. Einfach anfangen. Einfach bewusster. Einfach bescheidener und einfach glücklich. Alte Äpfel vom letzten Herbst doch noch schnell verwerten, statt sie wegzuwerfen, ein wenig Unkraut vor der Haustür statt konventionell angebautem Salat aus dem Supermarkt, ein Buch das man bewusst NICHT kauft, weil man im Internet viele schöne Rezepte findet und schon ist man satt und glücklich, eben nachhaltig zufrieden.  Es braucht nicht viel. Wir haben doch alles.
Nachhaltiger Salat mit allem was die das Umfeld hergab. So schmeckt Nachhaltigkeit.






Sonntag, 1. April 2018

Willkommen im Frühling

Von Blümchen und Bienchen - Bee wild

Endlich ist der Winter vorbei. Auch ich melde mich aus der Winterpause zurück. Zeit des Erwachens. Manchmal wird man dabei Zeuge ganz erstaunlicher Ereignisse...auf der eigenen Terrasse, direkt vor der Haustür. Das Leben erwacht.



Mein ersten Youtube-Video. Ich hoffe es gefällt euch.

Und was kann ich tun um den (Wild-)Bienen zu helfen? 

Wie wäre es mit einen ungespritzten Obstbaum im Garten? Kein Garten? Eine Mirabelle im Topf für den Balkon? Nur eine Fensterbank? Wie wäre es mit einem Blumenkasten, in dem ein paar Wildpflanzen blühen? Als Unkrautgourmet kommt das Nahrungsangebot der Wildbienen einem in weiten Teilen entgegen: Löwenzahn, sämtliche Malvenarten, Wiesensalbei, Taubnesseln, Beinwell, Rotklee, Barbarakraut, Eibisch, Gundermann, Bärlauch, Wiesenschaumkraut usw. - die Sämerrein gibt es ab Sommer wieder gratis auf der Wiese, Gundermann lässt sich jederzeit einfach absenkern. In ein paar Wochen schon kann man die Samen der Veilchen ernten. Einfach mal schauen, wo was blüht. Der Frühling ist da, es gibt viel zu entdecken. Aber auch alle Küchenkräuter, die man blühen lässt, wie Thymian, Rosmarin, Minze und Co. helfen vielen Bienenarten - nicht allen, aber einigen. Super schön und super nützlich: Artischocke im Topf und diese blühen lassen. Nahezu unverwüstlich und gern angeflogen: der Dost.
Kein Garten, kein Blumenkasten? Aber Internet? Dann kann man auch helfen, indem man sich für den Verbot der Neonikotinoide einsetzt, z.B. hier: https://aktion.campact.de/bienenkiller/appell/teilnehmen. Neonikotinoide, ein schweres Wort, aber auseinandergenommenganz einfach:
Neo = neu,
Nikotin = Hauptwirkstoff im Tabak,
 -oide = ähnlich aussehend,
also bedeutet Neonikotinoide grob übersetzt "neue, tabakwirkstoffähnliche Substanzen".

Der wichtigste Wildbienenschutz: Das eigenen Konsumverhalten!

Vielleicht noch wichtiger als alles andere ist das eigene Konsumverhalten. Das trägt maßgeblich zum Bienensterben bei, ohne das es uns bewusst ist. Brot, Obst und Gemüse, Wein, Saft, aber auch Fleisch (das Futter für das Schlachtvieh wird eben genau in den gespritzten, riesigen Monokulturen angebaut) vom Discounter oder Supermarkt ist sicherlich weniger hilfreich, als sich einen Biolandwirt in der Region zu suchen und für die täglichen, guten Grundnahrungsmittel etwas mehr zu investieren, als ständig immer nur billig einzukaufen und Geld für die nächste Flugreise zu sparen. Umdenken. Nachhaltig umdenken. Wir haben das in der Hand.

Meine Mauerbienen für 2019

Das Mauerbienenweibchen aus dem Video ist bereits dabei Eier zu legen und die Kinderstuben einzurichten. Dafür hat sie sich just eine einsam liegende Bambusröhre ausgesucht, obwohl ich extra eine kleine Wildbienenkinderstube aus Apfelholz gebastelt hatte. Rund 30 Eier wird sie in den nächsten 6-8 Wochen legen. Da die nicht alle in die einsame Bambusröhre passen, wird mein Wildbienennistblock sicherlich auch noch besucht. Bohrlochweite: 7-9 mm.  Viele Bienenlarven fallen in der Natur der natürlichen Selektion zum Opfer, aber bei mir auf der Terrasse schlüpfen im März/April 2019 hoffentlich die meisten von ihnen.  Vorausgesetzt der Nachbar sprüht kein Insektenschutzmittel oder die Mauerbienenmama klatscht  auf dem Weg zum Kirschbaum bei der Straßenüberquerung nicht gegen eine Windschutzscheibe. Und dann ist da auch noch ein Haufen hungriger Vögel unterwegs, die eigentlich ein natürliches Anrecht auf so einen pelzgigen Happen haben, weil auch die Vögelpopulation stark zurück geht und die gierigen Kücken Hunger haben. Wildbienenschutz - so wichtig, so einfach.

Freitag, 4. August 2017

Vom Unkrautgourmet zum Insektengourmet

Insektenessen - reine Kopfsache

Insekten zum Essen, hübsch verpackt, aber schon längst in aller Munde.
Böse Zungen behaupten, bei mir gibt es so selten Fleisch, weil ich genug Insekten (mit)essen. Wer weiß...Jedenfalls möchte ich euch heute mitnehmen zu einen Ausflug in den Welt der Enthomophagie, des Insektenessens. Und wer nun glaubt, das betrifft ihn nicht, der irrt sich sehr.
Sicher: Bei den wenigstens wird es Mehlwurm in Aspik geben. Und wer zugibt Entomophage zu sein, der wird in Deutschland nach wie vor für einen "Spinner" gehalten - eine Mischung aus Spinne und Spanner - beides essbare Insekten. Passt. Dabei kannte die (Nach-)Kriegsgeneration noch Engerlingsuppe und kandierte Maikäfer und das ist gar nicht so lange her.

Suppe aus Engerlingen - kann man sich heute kaum mehr vorstellen, allenfalls
im Überlebenskurs.

Unkraut und Insekten - zu Unrecht verschmäht

Warum nun dieses Thema? Weil Unkraut und Insekten zusammen gehörten, weil beides stiefmütterlich behandelt wird und nur durch die Zugpferde "Biene" und "Bärlauch" in der Öffentlichkeit Beachtung finden. Über 25% aller Ackerunkräuter stehen auf der Roten Liste - und es werden immer mehr. Mit ihnen sterben die, die in der Monokultur keine Nahrung mehr finden oder vergiftet werden: die Insekten. Liebe geht durch den Magen. Unkraut esse ich schon lange. Warum also nicht Insekten? Unbewusst konsumiere ich die nämlich schon seid Kindertagen - seid meinem ersten nicht gespritzen Baby-Apfelsaft. Es wird Zeit sich ein paar Dinge vor Augen zu führen.
Kandiere Maikäfer kannte meine Uroma noch.

Schneewittchenapfel oder Made

Wäre dieser Apfel in der Saftpresse gelandet, man hätte nie erfahren, was darin gewohnt hat.
Hätte die Hexe im Märchen Schneewittchen gesagt: "Hier mein hübsches Kind hast du einen vergifteten Apfel oder hier eine Made. Entscheide, wo du reinbeißen willst!" Was hätte Schneewittchen wohl gewählt? Wofür hättet Ihr euch entscheiden? Schneewittchen hatte keine Wahl, aber wir haben sie. Dennoch wählen die meisten den giftigen Apfel. Warum?
Der eine oder andere weiß, dass ich in die Welt des Streuobstbaus abgetaucht bin und da wimmelt es bekanntlich vor Krabbeltieren - auf und im Obst. Ich esse lieber ungespritztes Obst und ein ungiftige Kirschmade, als einen mit sonst was gespritzen Schneewittchenapfel -  eben jene absolut perfekte Frucht, über die ich absolut gar nichts weiß, außer das sie zu 100% gespritzt wurde und das gleich mehrfach. Womit? Keine Ahnung. "Hier mein Kind, hast du einen vergifteten Apfel...." Über unsere Lebensmittel wissen wir eigentlich gar nichts. Ist das nicht erschreckend?

In den Saftkeltereien werden die Äpfel grob gewaschen und landen dann
im Stück im Muser. Keiner macht sich die Mühe vorher alle Tiere aus
den Äpfeln zu schneiden.
Selbst beim Pressen per Hand gilt: Alles rein, solange es nicht schimmlig ist.
Und wer in der Maische einen zerquetschten Wurm erkennt, der muss
schon Molekularbiologe sein. Selbst gekelteter Apfelsaft! Es gibt nichst,
was besser schmeckt. Ob es an den mitgepressten Bio-Apfelwicklern liegt?

Unbewusst und schlecht gekaut - zugeflogenes Zufallsessen

In der Tat werde ich - wie ihr alle auch - in meinen Leben wohl schon sehr viele Insekten versehentlich und unwissend mitgegessen haben. Wie viele Käfer ich allein beim Radfahren verschluckt haben, kann ich gar nicht sagen. Verdaut hab ich sie alle. Egal ob 10 g oder 10 kg - geschadet hat mir das nicht. Und auch im Unkraut es ist wirklich nicht einfach immer jeden Käfer heraus zu fischen. Da kann man noch so sehr schütteln und waschen. Hilft nur gut durch zu kochen oder braten, dann ist der Käfer wenigstens gar.

Insektensterben und Insektenessen

Und dann sind da die Kirschen. Viele alte Sorten schmecken göttlich - trotz Maden. Mich stören die nicht mehr, denn sie bringen mich nicht um. Was mich und zahlreiche Insekten umbringt, ist das Gift im Essen, das wir zu Tonnen überall versprühen damit bloß keine Made in irgendwas drin ist, um uns dann über das Insektensterben zu wundern. Provokant auf den Punkt gebracht: Entweder ich akzeptiere das zum Teil madige Obst oder trage zum Insektensterben bei. Absichtlich provokant! Ihr sollt ja nachdenken. Es gibt auch Bioobst ohne Maden, das vor Insektenflug eingenetzt wurde usw., aber das lassen wir mal außen vor, bevor wir wieder anfangen uns irgendwas schön zu reden. Gespritztes Obst versuche ich zu vermeiden, einfach, weil meine Familie schon mannigfaltige Erfahrungen mit dem Thema Krebs machen musste. Damit leben wir länger und die Insekten auch.

Kulinarische Schädlingsbekämpfung ist wie Unkraut essen

10 kg Kirschen - mit Sicherheit sind davon 100 g Maden.
Doch jeder der Kirschen nicht spritzt weiß, dass ab Juni in so ziemlich jeder Kirschen wenigstens ein Lebewesen herumkriecht. Seid gut 10 Jahren ist auch noch die Made der Kirschessigfliege hinzugekommen, die aus Übersee eingeschleppt wurde. Anfangs hab ich versucht die Tiere heraus zu pulen. Heute esse ich die Maden - im jungen Stadium - einfach mit. Der beste Weg der Schädlingsbekämpfung... ist wie Unkraut aufzuessen, statt es weg zu spritzen.

Kirschmaden schmeckt nach Kirsche - wonach auch sonst? Und nein, ich schaue nach wie vor nicht rein in die Kirsche. Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß...aber ich weiß es ja, warum stört es mich dann nicht? Insektenessen ist reine Kopfsache. Nur unser kultureller Ekel ist die Barriere, die es zu überwinden gilt. Dafür muss man noch nicht mal in ein teures Insektenlokal marschieren, da reicht die nächste Streuobstwiese.

Von nicht-vegane Kirschen und fleischhaltigem Apfelsaft

Wer sieht sie, die Kirschmade?
Seitdem esse ich ich Kirschmaden quasi im Halbbewußtsein mit. Jeder der mal gesehen hat, wie ein Schwein ausgenommen wird, sollte eigentlich vor einer winzigen Made keine Scheu haben. Klar, wenn sie in den Mund kommt, lebt sie, ist aber spätestens mit den ersten Bissen auch nur ein totes Tier. Vegetarier-Dasein ade.

Der Pfeil offenbart das tiereische Innenleben einer Streuobstkirsche. In den Schale waren dann
noch 10 weitere. Keine hat die kulinarische Schädlingsbekämpfung überlebt.
Gleiches gilt auch für den guten Streuobstwiesen- oder Bio-Apfelsaft. Auch da sind haufenweise diverse Tiere mit rein gequetscht worden. Apfelsaft ist nie vegan, schon gar nicht, wenn er "Öko" ist. Vegan steht da nur manchmal drauf, wenn zum Klären keine tierische Gelatine verwendet wurde, aber wenn die Äpfel nicht einzeln aufgeschnitten wurden und alle Apfelwickler und andere Bewohner eines Apfelgehäuses entfernt wurden, dann ist das "vegan" auf den Flaschenetikett eigentlich ein Etikettenschwindel. Die Menschheit ist mit Insekten im Essen aufgewachsen. Aber wie beim Apfelsaft und der Kirsche gilt: Was ich nicht weiß, kann ich ignorieren....wenigstens stellt der Kopf auf Unwissend und der Magen ist ohnehin blind. Es ist aber eine Utopie zu glauben, man würde keine Insekten zu sich nehmen. Wir tun es...warum also nicht bewusst?

In drei Schritten zum Entomophagen

Nachdem ich mir dessen klar war, machte ich den Selbstversuch: in 3 Stufen vom Unkrautgourmet zum Insektengourmet.

Schritt 1: Esse eine Kirschmade.

Von Weitem betrachtet, mag man sich mit einer Kirschmade anfreunden können. So nah
herangezoom vergrößert sich aber auch der Ekel. Es kostet schon Überwindung die Made
pur zu essen.
Die einfachste Aufgabe, weil schon 1000fach unbewusst gegessen: Kirschmade. Dieses Mal aber pur aus der  Kirsche gepult und bei vollem Bewusstsein. Wah! Lebendfutter. Zugegeben: Wenn einen die Made anguckt, kostet es Überwindung sie zu esse. Die Made ist aber echt klein. Meine Zähne hingegen echt groß. Die Made zieht eindeutig den kürzeren. Kopfsache. Dennoch starrte ich mein Opfer einige Minuten an, bevor ich es verzehrte..Ich esse die Kirschmade nach wie vor lieber nett verpackt in einer Kirsche, als pur :), am liebsten esse ich natürlich Kirschen ohne Maden. Aber ich kann es: Insekten essen bei vollem Bewusstsein.

Schritt 2: Insektenriegel.

Man sieht das den Riegeln von Sens Foods in keinster Weise an, dass diese auf  Basis
von Insektenmehl hergestellt werden. Einziges Manko, das ich festgestellt habe: Bis auf den Riegel
mit Ananas waren alle etwas trocken. Zum Kaffee schmecken die aber prima :D
So eine Made ist winzig. Wie steht es mit größerem? Ich saß eine ganze Weile vor einen Päckchen voller küchenfertiger Heuschrecken....nein, das kann ich - noch - nicht. Ein anderer Weg musste her und an dieser Stelle kam Sensbar ins Spiel.
Hier möchte ich  Bogdan und Micha von Sens Foods für die zweite Packung Insektenriegel danken! Ich mache das Experiment "Insektengourmet" mittlerweile auch für Schüler und andere Gruppen. Schule ist Kopfsache. Insektenessen ist auch Kopfsache. Es gilt neue Erfahrungen zu sammeln und seine eigene Meinungen zu bilden. Viele Kinder sind wirklich mutig und nehmen das echt positiv auf.
Dennoch saß ich anfangs erstaunlich lange vor den Riegeln aus Insektenmehl. Drei Tage lang braucht ich, bis mein Kopf sich an den Gedanken gewöhnt hatte, da rein zu beißen. Kinder machen das binnen Minuten. Kein Witz. Verrückt. Reine Kopfsache. Ich scheine einen Sturkopf zu haben. Doch nachdem der erste Bissen getan war, waren die Riegel schneller weg, als ich dachte. Vor allem den mit "Ananas" und "Orange und dunkle Schokolade" fand ich richig gut. Wie die Riegel pur ohne aromatische Zutaten schmecken, das würde ich gern mal wissen...

Sensbar von Sens Foods und der Schritt ins Reich der Insektenesser

Keine Angst vor Käfern...oder Grillen, denn aus denen
sind die SensBars gemacht.
Crowdfounding sei Dank bin zufällig auf Sensbar gestoßen und fand das Projekt faszinierend. Ob Insektenproteinriegel unsere Ernährung revolutionieren werden, glaube ich zwar nicht, aber vielleicht helfen sie beim Umdenken, Insekten bewusst in die Küche zu bringen. Mich hat es zum Nachdenken angeregt, auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, unsere Insekten zum Essen sollten zukünftig vor Ort produziert werden - vielleicht sind z.B. Bienenlarven vom heimischen Imker eine Option für die Küche (ich weiß, das wird schon gemacht, aber jetzt kann ich mich damit anfreunden). Wie auch immer: Ein Riegel und 1000 neue Ideen. Dafür meinen Dank an das Sens Foods-Team!

Schritt 3: Heuschrecke am Stück

Auch das kann man kaufen: Küchenfertige Heuschrecken am Stück.
"Wie die Riegel pur ohne aromatische Zutaten schmecken, das würde ich gern mal wissen..." Und so zündete ich Stufe 3: Esse Heuschrecken. Nach der Made und dem Riegel war das ein Klacks...oder? Es ist tatsächlich noch mal ein Stück Überwindung mehr, eine Grille oder Heuschrecke frittiert am Spieß zu essen. Aber im Speckmantel ist das wie Kirschmade im Kirschmantel. Happs und weg. Tatsächlich war mein eigener Kopf nach der Zubereitung der Tiere in der Pfanne mit dem Gedanken schnell angefreundet, die etwas spröden Heuschrecken auch zu essen. Meine Familie rümpfte allerdings die Nase...aber das haben sie auch vor vielen Jahren getan, als ich angefangen habe, Brennnessel in die Küche zu schleifen. Es braucht eben alles seine Zeit.
Zweimal Insekt zum Essen: als Grillenmehlriegel oder als küchenfertige Heuschrecke. Für den
Einstieg  in die bewusste Welt des Insektenessens finde ich die Riegel sympatischer:
ist wie Hackfleisch, statt Spanferkel.

Insektenessen, Insektenhotel, Insektensterben  - jeder entscheidet, jeder trägt mit

"Küss mich, ich bin eine verzauberte Prinsessin, aber bitte iss mich nicht!"
Wer kann da widersprechen?
Küchenfertige Insekten und Riegel sind leider relativ teuer: 4 Sensbars kosten 11,49 Euro,  eine Essbare Insekten Mischung* ebenfalls satte 11,99 Euro. Satt wird man davon jedoch nicht. Aber vielleicht hilft der Genuss der Insekten, diese Tiere von einen anderen Standpunkt aus zu betrachten. Für mich ist die Faszination "Insekt" noch gewachsen und ich werde mich wieder auf madiges Obst stürzen.  Das will eh keiner haben, aber jeder möchte ein Insektenhotel im Garten... verkehrte Welt. Aber es wird selbst für mich noch ein langer Weg, bis ich auf der Wiese sitze und frisch gefangene Heuschrecke am Lagerfeuer röste...ich schaue mir die Tiere lieber lebendig an, solange es sie noch in freier Wildbahn gibt...Weil wir ja den Schneewittchenapfel bevorzugen. Weil wir überall Gift spritzen: auf den Hopfenfelder, den Weinbergen, den Getreideäckern und Obstplantage, im heimischen Vorgarten und der Garageneinfahrt, in der Zierrabatte oder dem Gemüsebeet. Das Insektensterben hat jeder einzelne mit zu verantworten, ob er nun seinen englischen Rasen trimmt, Herbizide in die Pflasterfugen seiner Einfahrt sprüht oder Insektizide an seinem Haustier oder dem Gartenhäuschen anwendet, ob er Obst, Wein, Bier oder Getreideprodukte aus konventioneller Erzeugung kauft oder verwendet. Da hilft auch kein Insektenhotel. Insekten brauchen mehr. Alle Insekten. Sie brachen einen intakten Lebensraum. Sie brauchen eine Lobby. Es fängt im Kleinen an. Bei jedem einzelnen.

Zu schön zum Essen: eine wunderbar grüne Heupferdame. Hoffentlich ist sie
nicht an einer Autoscheibe zermatscht.